Offener Brief an die Vorstandschaft des Frauenforums Ulm
10. Februar 2021

Sehr geehrte Damen,
obengenanntes Thema hat nicht nur mich seit langem beschäftigt, nachdem nun im Aufsichtsrat der UWS die Entscheidung für den Neubau beschlossen und auch im Beteiligungsprozess das Frauenforum mit einbezogen wurde.
Der Name „Drachenburg“ ist die Bedeutung in der Nachkriegszeit in Ulm, wo Wohnraum für alleinstehende Frauen/Mädchen zur Verfügung gestellt wurde, soviel zur Tradition.
Die Zeiten haben sich gravierend verändert und es ist einleuchtend, dass die Verhältnisse der Nachkriegszeit nicht auf heutige und zukünftige Wohnanforderungen übertragen werden können. Die inhaltliche Ausgestaltung und das Nutzungskonzept sind weitgehend entschieden, es wird Wohnraum für jedes Geschlecht geschaffen.

Ich bin mit meiner Meinung nicht allein, dass auch der Name „Drachenburg“ nicht mehr zeitgemäß, diskriminierend und verletzend ist.

Drache“ bedeutet lt. Duden abwertend für „zänkische Frau“. Wenn man noch aus Bibelstellen zitieren will, wird es ziemlich unangenehm mit dem Begriff „zänkische Frau“, hier nur ein kleiner Ausschnitt:
Die Bibel warnt davor, eine zänkische Frau zu heiraten, weil man sie ein Leben lang behält. Sie vertreibt ihren Mann von zu Hause. Er mag gar nicht gern nach Hause kommen, weil ihn dort nur Streit und Gekeife erwarten. Egal, wo man wohnt, auf dem Dach oder in der Wüste, beides ist besser, als mit einer zänkischen Frau das Haus teilen zu müssen und sich ständig zu ärgern.
Da das Frauenforum ein kreatives Gremium ist, schlage ich vor, dass Sie sich nochmals mit dem Thema befassen und einen zeitgemäßen empathischen Namen für diese sicher nach Fertigstellung gelungene Wohnanlage finden, der nicht nur für „Drachen“ darstellt. Muten Sie den künftigen BewohnerInnen diese Bezeichnung nicht zu. Verlassen Sie Ihre starre Haltung, ich würde mich freuen, wenn diese Ausführungen zum Umdenken anregen.

Mit freundlichen Grüßen
Helga Malischewski, Stadträtin



 


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