Sommeraktion: Besichtigung Wilhelmsburg
20 Interessierte folgten am 24.09.2025 der Einladung der Freien Wähler Ulm zur Führung durch die Wilhelmsburg. Gabriel Bock vom Förderkreis Bundesfestung Ulm e. V. brachte uns mit seinem Fachwissen zunächst den historischen Kontext der Bundesfestung Ulm näher. So erfuhren wir, dass die Festungsanlage in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Verteidigungsmaßnahme gegen französische Angriffe geplant wurde, um Zeit zu gewinnen bis österreichische Truppen nachgerückt wären. In Ulm befand sich damals nämlich neben Regensburg und Wien eine von drei steinernen Brücken über die Donau, welche Napoleon während seiner Feldzüge gegen die Österreicher genutzt hatte. Während des dunklen Kapitels des Nationalsozialismus wurden u.a. polnische Zwangsarbeiter in der Wilhelmsburg interniert.
Nach dem 2. Weltkrieg diente die Zitadelle dann als Notunterkunft für obdachlose Ulmerinnen und Ulmer und hatte bis heute schließlich noch verschiedene andere Zwecke bis sie 1986 vom Bund für eine symbolische D-Mark an die Stadt Ulm „verkauft“, also geschenkt wurde. Es galt die völlig durchnässten Gemäuer trocken zu legen und so wurde das heutige Blechdach aufgebracht, um das Eindringen weiterer Feuchtigkeit zu unterbinden. Seitdem kümmern sich die ehrenamtlich engagierten Mitglieder des Förderkreises Bundesfestung Ulm e. V. um den Erhalt der Bundesfestung.
Gabriel führte uns dann auf das Dach des Kehlturms, von welchem man einen tollen Blick auf Ulm hat, und weiter durch die Kasematten. Dort können noch eine Wohnung einer mehrköpfigen Familie und die Waschräume aus der Nachkriegszeit besichtigt werden. Aus einem Kasemattenfenster überblickten wir die Anschlusslinie XI zur Kienlesbergbastion, wo uns Stadträtin Anngritt Scheuter über die Verlagerung der in dem Graben beheimatete Schützengilde Ulm e. V. und die Planungen für die Landesgartenschau 2030 informierte.
Zahlreiche Treppen führten uns schließlich noch hinab in die unterirdischen Stollengänge, über deren Verteidigungszwecke Gabriel weitere interessante Infos parat hatte.
Die Führung zeigte eindrücklich, welches Potential die Bundesfestung und im Besonderen die Wilhelmsburg mit ihren 570 Räumen für Ulm bietet. Neben dem Ulmer Münster und dem Fischerviertel ist die Wilhelmsburg ohne Frage ein weiteres (touristisches) Highlight unserer Stadt. Für Veranstaltungen, Kultur, Gastronomie und Co-Working sind bereits einige Räume saniert. Ein weiterer Ausbau der Räumlichkeiten ist daher – auch zum Erhalt der historischen Gemäuer – äußerst wünschenswert.
Es war wieder eine sehr gelungene Veranstaltung mit einer sehr informativen und interessanten Führung durch unseren Guide Gabriel Bock. Einen herzlichen Dank an Anngritt für die Organisation sowie an Gabriel und die Mitglieder des Fördervereins Bundesfestung Ulm e. V. für ihre unschätzbare Arbeit!
Weitere Informationen unter www.festung-ulm.de und www.bundesfestung-ulm.de
Andreas Anger
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